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Die stabilen Holzgeräte, die wir im Abenteuer-SpielRaum verwenden, wurden von der Gymnastiklehrerin Elfriede Hengstenberg und dem Heilpädagogen und Physiotherapeuten Uli Tritschler entwickelt, der seit über 30 Jahren in seiner heilpädagogischen Praxis nach den Empfehlungen von Elfriede Hengstenberg arbeitet. Die Hengstenberg-Bewegungsmaterialien sind heute in über 1000 Kindertagesstätten, Schulen und therapeutischen Praxen in ganz Deutschland zu finden.

Über ihre Bewegungsstunden erzählt Elfriede Hengstenberg:

"Ich lasse die Kinder also grundsätzlich selbständig forschen und entdecken. Ich lasse sie frei experimentieren, aber nicht  wahllos tun, was ihnen gerade einfällt. Ich wähle eine bestimmte Aufgabe, die nach meinem Ermessen für die Kinder notwendig ist, formuliere sie so, daß sie Spaß daran haben und bereite Gegenstände und Geräte vor, die die Kinder verlocken, damit zu experimentieren. Ich lasse sie dann selbständig Versuche unternehmen, in denen einerseits ihre Interessen, andererseits ihre Konflikte zur Auswirkung kommen. Aber ich lasse sie allein mit ihren Schwierigkeiten kämpfen und mische mich nicht in ihre Unternehmungen ein [...]. Erst wenn ihre selbständigen Versuche bis zu einem gewissen Grad gereift sind, stehe ich ihnen mit Erklärungen und Vorschlägen zur Verfügung."

In unseren Bewegungsgruppen versuchen wir, die Gedanken von Elfriede Hengstenberg in ihrem Kern umzusetzen und mit den Bedürfnissen der heutigen Kinder in Einklang zu bringen.

Inzwischen haben sich viele verschiedene Anwendungsmöglichkeiten für die Hengstenberg-Geräte entwickelt, die alle dem Ziel folgen, auf naturgemäße Weise die Achtsamkeit und das Körperbewusstsein bei Kindern zu fördern. Dabei ist immer die Auseinandersetzung mit der Schwerkraft, der Anziehungskraft der Erde, eine zentrale Aufgabe. Durch den Kontakt mit dem festen Holz der Geräte und dem harten Boden unter ihnen (ohne Fallschutzmatten) entsteht eine körperliche Bewusstheit und Vorsicht, die die Wahrnehmung und das Verhalten der Kinder nachhaltig verändert. Auch im Bereich der Unfallprävention wird der Hengstenberg-Arbeit deshalb eine hohe Wirksamkeit bescheinigt.

Aus der Gehirnforschung wissen wir heute viel über den Zusammenhang zwischen Wahrnehmung, Bewegung und kognitiver Entwicklung. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, "dass Bewegung für alle anderen Hirnfunktionen maßgeblich ist, auch für Gedächtnis, Emotionen, Sprache und Lernen. Denn unsere 'höheren' Gehirnfunktionen haben sich aus der Bewegung heraus entwickelt und sind nach wie vor von ihr abhängig" (Dr. John Ratey). Dabei ernährt sich das Gehirn gewissermaßen von Fehlern, Wiederholungen und Verbesserungen. Damit aus scheinbar missglückten Versuchen Anregungen für Veränderungen werden, braucht es aber eine besonders offene Atmosphäre, die durch eine unaufdringlich unterstützende, wertschätzende und achtsame Kommunikationsweise entsteht. Um Kinder im Umgang mit den Hengstenberg-Geräten feinfühlig begleiten zu können, brauchen Pädagogen intensive theoretische und praktische Weiterbildung und die Bereitschaft, sich mit ihrer eigenen Lerngeschichte auseinander zusetzen.

Die praktische Arbeit auf den Hengstenberg-Geräten beginnt mit bodennahen Kleinmaterialien (Kippelscheiben, Kippelhölzer, Kanthölzer, Holzbrettchen) und auf dem Boden liegenden Stangen, Leitern und einem langen Kippelbrett. Danach wird mit stabilen Hockern (einzeln oder aufeinander gestapelt) experimentiert, die schließlich zum Darüberbalancieren mit Stangen, Leitern und dem Kippelbrett verbunden werden können. Eine größere Herausforderung stellen dann kleine und große Leitern mit unterschiedlichen Sprossenabständen dar, die ebenfalls mit Stangen usw. verbunden werden. Ein wahlweise vertikal oder horizontal aufgestelltes Fünf-Stangen-Gerät ermöglicht weitere interessante Gerätekombinationen.

Im FamilienRaum verwenden wir in den Hengstenberg-Gruppen zusätzlich psychomotorische Materialien wie verschiedene Schaukeln, Hängematten, ein Trampolin, ein Varussel, Reifen, Wurfspiele, Balancierspiele, Gewichtssäckchen, Erbsenkiste und ein großes Korkenbad. In Kombination mit den Hengstenberg-Geräten entstehen so phantasievolle, spannende Geräteaufbauten, die die Kinder jede Woche neu überraschen und zum Experimentieren anregen.